Morbus Crohn - Behandlungsmöglichkeiten

In erster Linie muss man unterscheiden zwischen der Therapie bei einem akuten Schub sowie der Langzeitbehandlung. Bei einem akuten Schub geht es vor allem darum, die Entzündungsreaktion einzudämmen. Zu diesem Zweck kommen hauptsächlich Kortisonpräparate zum Einsatz.

Übersicht der medikamentösen Therapien

Je nach Schwere der Erkrankung gibt es eine Reihe von Medikamenten, die in der Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen einegesetzt werden. 

  • Aminosalizylate wirken entzündungshemmend und werden bei leichteren Beschwerden eingesetzt oder beim akuten Schub. Bei schweren Verlaufsformen hingegen reicht diese Therapie nicht aus.
  • Kortisonpräparate wirken stark entzündungshemmend und werden im akuten Schub bzw. bei schweren Verlaufsformen eingesetzt. Kortisonpräparate sollten allerdings nicht als Dauertherapie sondern für max. 8-12 Wochen verabreicht werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden. 
  • Immunsuppressiva unterdrücken das körpereigene Abwehrsystem und werden bei schwerem Verlauf eingesetzt. Die Wirkung setzt nur langsam ein (nach mehreren Wochen bzw. Monaten). Oft werden Immunsuppressiva auch zur Erhaltung der beschwerdefreien Phase (Remission) eingesetzt.  
  • Biologika sind biotechnologisch hergestellte Medikamente, die bei mittelschweren bis schweren Verlaufsformen von CED zum Einsatz kommen und gezielt in den Entzündungsprozess bei CED eingreifen bzw. diesen unterbinden. 

Weitere Details zu den genannten Therapieformen findest du hier.

Langzeittherapie

Eine chronische Erkrankung benötigt  eine Langzeittherapie, für welche oftmals Medikamente wie Azathioprin sowie 6- Mercaptopurin eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Verabreichung von Methotrexat sowie künstlich hergestellte Antikörper, auch Biologika genannt. Bei einem Drittel aller Morbus Crohn-Patienten tritt die Erkrankung auch außerhalb von Magen und Darm auf und muss dort entsprechend behandelt werden (beispielsweise in Gelenken, Haut, Knochen oder Augen).

Ist die Erkrankung trotz der Medikamente nicht in den Griff zu bekommen, ist unter Umständen ein operativer Eingriff und die Entfernung des betroffenen Darmabschnittes notwendig. Auch Komplikationen erfordern eine Operation, dazu zählen Abszesse, Fisteln oder Darmengpässe.

Die Schubtherapie bei Morbus Crohn

Sind die Schübe nur leicht ausgeprägt, ist es möglich, die Verabreichung von kortisonfreien Präparaten wie Mesalazin oder Sulfalasazin zu versuchen.
Bei stärkeren Beschwerden muss man zu Kortison greifen, Prednisolon oder Budesonid sind hier häufige Mittel der Wahl. Vor allem Budesonid ist aufgrund seines guten Nebenwirkungsprofils sehr beliebt. Kortison wirkt entzündungshemmend und hält das körpereigene Immunsystem in Schach. Damit eine Wirkung eintritt, ist eine Einnahme über mehrere Wochen hinweg notwendig. Länger als zwei bis drei Monate sollte Kortison jedoch nicht eingenommen werden, da vor allem Osteoporose und ein erhöhter Blutdruck zu den häufigen Nebenwirkungen gehört. Kortison kann in Tablettenform, als Infusion, Injektion oder auch Einlauf verabreicht werden, oft wird die Therapie direkt im Krankenhaus durchgeführt.
 

Die Operation als Morbus Crohn-Therapie

Durch zahlreiche minimalinvasive Techniken ist die Entfernung eines Darmteils nicht mehr so belastend für den Patienten und es lassen sich auch aus kosmetischer Sicht gute Erfolge erzielen. Durch die kleinen Einschnitte erfolgt die Erholung nach der OP und somit die Entlassung in häusliche Pflege relativ rasch. Die operative Entfernung von Komplikationen wie Abszessen und Fisteln kann und sollte geplant erfolgen, ebenso die Beseitigung von chronischen Engstellen. Akute Darmverschlüsse, Blutungen oder ein Durchbruch sind Notfälle und müssen sofort behandelt werden, da sie lebensbedrohlich sind.

Was für viele Patienten den Eingriff erschwert, ist die Tatsache, dass die Erkrankung auch nach der Operation wieder auftreten kann und möglicherweise eine weitere Intervention erforderlich macht.
 

Alternative Behandlungsmethoden bei Morbus Crohn

Alternative Behandlungsmethoden bei Morbus Crohn sind nicht als Ersatz für eine schulmedizinische Therapie anzusehen, sondern als deren Ergänzung und sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Dann gibt es allerdings eine Reihe sinnvoller naturheilkundlicher Stoffe, die aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung positiven Einfluss auf Morbus Crohn nehmen können. Dazu gehören beispielsweise Weihrauch, Myrrhe, Kurkuma, aber auch Heidelbeer-Extrakte.

Antientzündlich wirken ebenfalls Omega-3-Fettsäuren, die in Leinöl oder Walnussöl enthalten sind. Hering oder Makrele sollten ebenfalls öfters auf dem Speiseplan stehen. Kurkuma lässt sich als Gewürz nahezu in jeder Speise bis hin zum Smoothie verwenden, während Weihrauch und Myrrhe meist als Kapseln verabreicht werden.
 

TCM bei Morbus Crohn

Die traditionelle chinesische Medizin behandelt den Patienten in seiner Gesamtheit, auch die Psyche wird miteinbezogen. Die Behandlung hängt anschließend von der Schwere der Erkrankung ab. Akupunktur, Massagen, speziell abgestimmte Arzneimittel aus chinesischen Kräutern und ein auf den Patienten zugeschnittener Ernährungsplan sollen für eine Verbesserung der Beschwerden sorgen.

Zum Thema Wirksamkeit von traditioneller chinesischer Medizin bei Morbus Crohn wurden Studien an der Uniklinik Erlangen-Nürnberg durchgeführt, die sowohl für chinesische Kräuter als auch für Akupunktur eine positive Wirkung bescheinigen. Dennoch sollte die Behandlung stets in Absprache mit dem Arzt erfolgen und kein eigenmächtiges Absetzen einer begonnenen Therapie stattfinden, um Komplikationen zu verhindern.
 

Morbus Crohn bei Kindern

Studien zeigen, dass die Verabreichung von Kortison im Wachstum äußerst ungünstig ist. Wachstumsstörungen und instabile Knochen sind oft die Folge. In erster Linie wird Morbus Crohn bei Kindern daher mit einer speziellen Ernährungstherapie behandelt. Dabei handelt es sich um eine besonders
nährstoffreiche Trinknahrung, die alternativ über eine Nasen- oder Magensonde verabreicht werden kann. Diese Nahrung ist in der Lage, die übliche Ernährung je nach Schwere der Erkrankung vorübergehend ganz oder auch teilweise zu ersetzen.

Zum Einsatz bei der kindlichen Morbus Crohn-Therapie kommen auch Aminosalizylate beziehungsweise Immunsuppressiva und bei schwerer Erkrankung Biologika. Nicht zu vergessen ist zudem die wichtige Rolle, die eine adäquate psychologische Unterstützung bei der Bewältigung der Krankheit spielt.

Komplementärmedizinische Behandlung bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Welche komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden stehen in der Therapie des Morbus Crohn und der Colitis ulcerosa zur Verfügung?

Prof. Seiderer-Nack: Neben der klassischen Schulmedizin mit medikamentösen und operativen Therapieverfahren wünschen viele Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa auch komplementärmedizinische Behandlungsmethoden, die deine Beschwerden bessern und die Entzündung des Darmes lindern können. Zu den bekanntesten Verfahren gehören beispielsweise die Naturheilverfahren, die traditionelle chinesische Medizin (TCM), die Ernährungstherapie, die Homöopathie sowie die Anwendung von Entspannungsverfahren. Auch das Thema Mikrobiom und Sanierung der Darmflora durch Gabe von Probiotika wird aktuell viel diskutiert. Viele dieser Behandlungsformen haben bei einzelnen Patienten individuell gute Wirkungen gezeigt, wurden aber in Form von klinischen Studien noch nicht ausreichend untersucht, so dass meist keine allgemeingültigen Therapieempfehlungen abgeleitet werden können*. Für den einzelnen Patienten können diese Therapieverfahren jedoch positiven Einfluss auf seine Beschwerden und sein Wohlbefinden sowie die Krankheitsbewältigung haben. Wichtig ist dabei jedoch, komplementärmedizinische Verfahren – wie der Name schon sagt – als Ergänzung in einem umfassenden Therapiekonzept zu sehen und nicht als alleinige „Alternative“ zur schulmedizinischen Therapie. Sprich mit deinem Arzt über deinen Wunsch nach einer komplementärmedizinischen Behandlung und lass dich zu den für Ihren Krankheitsverlauf passenden Möglichkeiten beraten.

*Anmerkung der Redaktion: Bei einer komplementärmedizinischen Behandlung ist generell folgendes zu beachten:
- die Dosis der Wirkstoffe ist nicht immer konstant bzw. angegeben
- die Wechsel- u. Nebenwirkungen sind oftmals nicht untersucht
- Angaben der Inhaltsstoffe sind nicht immer vorhanden
- Arzneimittel unterliegen durch das Zulassungsverfahren deutlich strengeren Anforderungen

Welche Möglichkeiten bietet beispielsweise die Anwendung von naturheilkundlichen Wirkstoffen?

In der naturheilkundlichen Medizin spielen beispielsweise Pflanzenstoffe und deren anti-entzündliche Wirkung eine wichtige Rolle – hier gibt es mit pflanzlichen Stoffen wie Weihrauch, Myrrhe oder Gelbwurz gute Erfahrungen bei CED-Patienten (Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung).

Weihrauch wird seit vielen Jahrhunderten bei chronischen Entzündungen eingesetzt. Die im Harz der Weihrauchrinde enthaltenen Boswelliasäuren (Boswellia serrata) besitzen entzündungshemmende Eigenschaften, die auch bei Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa in einigen Studien vielversprechende Wirkung gezeigt haben. Ebenso wie Weihrauch gehört auch die Myrrhe zur Pflanzenfamilie der Weihrauchbaumgewächse (Boswelliaceae) und zeigt einen positiven Effekt auf chronisch entzündliche Prozesse. Studien konnten zeigen, dass bei Patienten mit Colitis ulcerosa eine Kombination der pflanzlichen Arzneimittel Myrrhe, Kaffeekohle und Kamille in Tablettenform genauso wirksam und verträglich in der Remissionserhaltung sein kann wie ein Medikament aus der Gruppe der Aminosalizylate. Ähnliche anti-entzündliche Eigenschaften wie bei Weihrauch und Myrrhe werden auch der sog. Gelbwurz (Curcuma), einem in Asien beliebten Gewürz, zugesprochen. Auch hier zeigte sich in einer Studie an Patienten mit Colitis ulcerosa eine Senkung der entzündlichen Botenstoffe im Körper.

Wann können komplementärmedizinische Verfahren bei CED eingesetzt werden und wann besser nicht?

Für Patienten mit leichterem bis mittelschwerem Verlauf kann durch komplementärmedizinische Verfahren eine Verbesserung der Beschwerdesymptomatik (Stuhlfrequenz, Schmerzen, Allgemeinbefinden) erreicht werden, insbesondere auch in der Kombination mit Entspannungsverfahren. Auch eine ernährungsmedizinische Beratung und Therapie kann Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eine Erleichterung im Alltag bringen.

Komplementärmedizinische Verfahren sind jedoch kein Ersatz für eine Behandlung mit Immunsuppressiva oder Biologika, wenn die Schwere des Krankheitsverlaufes dies erfordert. Auch bei Komplikationen wie Stenosen oder Fisteln sind erfahrene Gastroenterologen und Chirurgen gefragt und nicht der Kräutertee. Grundsätzlich solltest Du dich daher immer mit Ihrem behandelnden Arzt beraten und gemeinsam die Chancen und Risiken einer komplementärmedizinischen Behandlung abwägen.

Soll ich als CED-Patient Probiotika einnehmen?

Probiotika sind keine Wunderwaffe und nicht alles, was auf dem Joghurtdeckel oder den Nahrungsergänzungsmitteln versprochen wird, ist für bare Münze zu nehmen. Aber: Die intensive Forschung zur Rolle der Darmbakterien für unsere Gesundheit und die Entstehung von Entzündungsprozessen im Darm hat in den letzten Jahren deutlich gezeigt, wie wichtig insbesondere für CED-Patienten das Thema Mikrobiom geworden ist. Daher kann es bei einzelnen Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa durchaus sinnvoll sein, ausgewählte Bakterienstämme in Form von Probiotika gezielt einzusetzen – beispielsweise bei Patienten mit einer Pouchitis oder nach einer Antibiotika-Gabe. Da Probiotika nicht gleich Probiotika sind und sich die einzelnen Bakterienstämme in ihrer Wirkung auch unterscheiden, ist daher eine gute Diagnostik und Beratung durch Ihren Arzt vorab erforderlich.

Professor Dr. med. Julia Seiderer-Nack

Julia Seiderer-Nack

ist Fachärztin für Innere Medizin und Ernährungsmedizin in München. Sie hat zahlreiche wissenschaftlichen Studien und Bücher zum Thema chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Darmgesundheit veröffentlicht  und organisiert regelmäßig Fortbildungen zu diesem Thema. Durch ihre Zusatzausbildungen auf dem Gebiet der Homöopathie, Traditionellen Chinesischen Medizin und Naturheilkunde hat sie in der Behandlung von CED- Patienten auch ganzheitliche Therapieformen im Blick.