CED und Partnerschaft

Mein/e Partner/in ist für mich da – aber ich fühle mich abhängig und als würde ich in ihrer/seiner Schuld stehen

Ulla Weidel: Auf Hilfe angewiesen zu sein ist manchmal schwierig. Hilfe anzunehmen auch. Wir bekommen die Hilfe ja aus Liebe, aber sich darüber einfach nur zu freuen, da stehen wir uns manchmal selbst im Weg.
Versuch es zu genießen, wenn Du so selbstverständlich Liebe und Unterstützung bekommst. Nur wenn Du dich bevormundet fühlst, solltest Du mit deiner Partnerin/Ihrem Partner darüber sprechen.
Wenn Du das Gefühl hast, Du nimmst nur: meist ist es ja eine vorübergehende Situation und Du kannst die Liebe später zurückgeben. Und das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen in einer Partnerschaft wird ja nicht mit dem Maßband gemessen.
Wenn es lange dauert: sprich darüber, wie deine Partnerin/Partner Ausgleich für die Belastung finden kann sowie Raum für ihre/seine Bedürfnisse.


Wenn es mir schlecht geht, habe ich auf nichts Lust: Ausgehen, etwas unternehmen, Sex. Bin ich jetzt nur noch eine Belastung für meine Partnerin/meinen Partner?

In jeder Partnerschaft gibt es gute und weniger gute Zeiten. Meist gehen die schlechten, auch unsere schwierigen Krankheitszeiten, ja vorüber.
Dauern sie lange, sollten Sie gemeinsam nach Lösungen suchen: Wenn Sie vereinbaren, dass die Partnerin/ der Partner nicht auch auf alles verzichten muss und z. B. Sport, Freunde treffen, Essen gehen auch mal ohne Sie macht, tritt oft schon viel mehr Zufriedenheit ein. Das auch zuzulassen – das fällt manchmal schwer.
Zum Thema Sex ist die Antwort schwieriger und eher persönlich zu besprechen. Vielleicht nur eins: auch Zeiten mit „nur Kuscheln“ können der Partnerschaft gut tun.


Ich sehe nicht so krank aus: glaubt mir jetzt niemand, dass ich nicht so fit bin?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind – meistens – nicht sichtbare Erkrankungen. Oft können nur Menschen, die uns nahestehen sehen wie es uns geht. Die anderen verstehen oft nicht. „Wieso geht es nicht weg?“,“ Du stellst dich an!“, „Durchfall ist doch nicht so schlimm!“ bekommen manche Betroffene zu hören.
Das Gefühl nicht verstanden zu werden verunsichert viele Erkrankte sehr, führt oft zu Rückzug und sich selbst in Frage stellen.
Ich glaube, ein bisschen müssen wir damit leben, dass die Menschen um uns herum uns mit dieser Erkrankung nicht immer verstehen. Wichtig ist, dass Du dich nicht davon beirren lässt und klar sagst, was Du brauchst, klare Grenzen setzt. Wichtig ist, das Du dir nicht die Schuld gibst, wenn Du nicht so „funktionierst“ wie andere.


„Wenn du mehr für dich tun würdest, wärst du nicht so krank!“, höre ich manchmal von meiner Familie. Wie kann ich mit den Vorwürfen umgehen?

Viele Betroffene kennen das: wer von ihrer Erkrankung erfährt, weiß auch einen Rat, meist ungefragt. Und so ein Rat kann in der Familie manchmal zum Vorwurf werden. Oft sind diese Vorschläge sinnvoll, aber sie kommen bei uns wie Schläge an. Denn vielleicht bist Du gerade mehr damit beschäftigt, dich der Hilflosigkeit und Angst zu stellen, die die Erkrankung bei dir hervorruft. Und möchtest dafür Verständnis und Trost. Oder probieren gerade etwas Anderes aus, und möchten nicht noch mehr Ideen. Oder brauchen eine Pause. Oft hilft es, das einfach zu sagen. Und zu vermitteln, wo und wie Du dich um dich selbst kümmerst - nur eben anders, als deine Familie es sich vorstellt, und in deinem eigenen Tempo. So viele Dinge können hilfreich sein, aber nicht alle passen zu dir oder sind im Moment zu bewältigen. Wichtig ist aber auch, sich nicht zu verschließen für Veränderung. Es ist nicht immer einfach, das Leben mit der Erkrankung zu bewältigen, aber wenn Du Offenheit bewahrst, findest Du immer wieder neue Wege, um deine Lebensqualität zu verbessern.

Abschließend noch ein paar Worte: Eine chronische Erkrankung fordert in vielen Lebensbereichen ein Umdenken, eine Veränderung, auch für die Menschen um uns herum. In diesem Prozess ist es hilfreich, immer mal wieder das Gespräch mit deinem Partnerin/Ihrem Partner, deiner Familie zu suchen. Vieles lässt sich dadurch klären, wobei zuhören das wichtigste ist, auf beiden Seiten.
Sollte das wiederholt nicht klappen: Mit Moderator/in geht es oft viel besser.

Ulla Weidel, CED-Hilfe Hamburg

Ulla Weidel

Als Dipl. Paar-, Familien- und Lebensberaterin arbeite ich in der Beratungsstelle der CED-Hilfe Hamburg mit Betroffenen, die psychologische Begleitung brauchen. Auch bei Konflikten in Partnerschaft und familiären Beziehungen biete ich Unterstützung an. Dabei sind Ernährung, Entspannung, (Bauch-) Hypnose, Schmerzbewältigung weitere Schwerpunkte in meiner Arbeit. Einen Weg finden, konstruktiv mit sich und den Einschränkungen durch die Erkrankung zu leben, gut zu leben und den Humor nicht zu verlieren – daran denke ich in meiner Arbeit. Und das betrifft auch mich selbst: Ich bin seit meinem 20. Lebensjahr von Morbus Crohn betroffen.

Zuletzt aktualisiert: 10.08.2018