Impfungen mit CED: Wie wichtig sind sie?

Prof. Seiderer-Nack: Für Patienten mit CED ist das Thema Impfungen sehr wichtig - nicht zuletzt deswegen, weil eine entzündliche Darmerkrankung und deren Therapie mit Cortison, Immunsuppressiva oder Biologika das Risiko für Infektionskrankheiten deutlich erhöhen kann. Eine ganze Reihe von infektiösen Erkrankungen lassen sich jedoch durch eine rechtzeitige Impfung verhindern. Daher wird allen Patienten aller Altersklassen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa die regelmäßige Überprüfung des Impfstatus - also der Blick in den Impfpass und das Gespräch mit dem behandelnden Arzt - dringend empfohlen. Dabei kann abgeklärt werden, ob der CED-Patient über die empfohlenen Standardimpfungen verfügt oder ob wieder eine Auffrischung nötig ist.


Was hat es mit Lebend- und Totimpstoffen auf sich?

Besonders wichtig ist das Thema Impfen für CED-Patienten vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie. Während einer immunsuppressiven Therapie dürfen nur in Ausnahmefällen Lebendimpfstoffe verabreicht werden, da ein erhöhtes Impfrisiko besteht. Ganz allgemein werden bei Impfungen sog. Totimpfstoffe, die nicht mehr vermehrungsfähige Bakterien oder Viren enthalten von sog. Lebendimpfstoffen unterschieden. Lebendimpfstoffe enthalten geringe Mengen von vermehrungsfähigen Bakterien oder Viren, die jedoch so abgeschwächt wurden, dass sie die Erkrankung nicht mehr auslösen können. Beispiele für einen Totimpfstoff ist z.B. die Schutzimpfung gegen Tetanus oder Hepatitis B; zu den Lebendimpfstoffen gehören beispielsweise die Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln.

Impfungen mit Totimpfstoffen sind meist auch während einer immunsuppressiven Therapie möglich, allerdings können Medikamente wie Steroide, Immunsuppressiva oder TNF-alpha-Antikörper die Bildung von schützenden Antikörpern durch das menschliche Immunsystem - und damit den gewünschten Schutzeffekt der Impfung - beeinträchtigen.

Impfungen mit Lebendimpfstoffen dagegen sollten nur in Ausnahmefällen während einer immunsuppressiven Therapie (sowie 2 Monate vor Beginn bzw. bis zu 3 Monaten danach) durchgeführt werden. Wenn man die Möglichkeit hat, 2 Monate mit der Immunsuppression zu warten, kann noch eine Impfung durchgeführt werden. Daher sollte das Thema Impfschutz gleich zu Beginn einer CED Diagnose besprochen werden, damit rechtzeitig nötige Auffrischimpfungen durchgeführt werden können.

In vielen Fällen in der Praxis hat man aber diese Zeitspanne nicht - und dann gilt Verzicht auf Lebendimpfstoffe. Bei Patienten mit einem durch Medikamente unterdrückten Immunsystem besteht dabei ansonsten die Gefahr, dass diese geringen Mengen an Keimen sich im Organismus vermehren und eine Infektion auslösen können. Wichtig ist daher, vor einer geplanten Immunsuppression den Impfschutz falls möglich noch zu aktualisieren und benötigte Impfungen durchführen zu lassen.


Sollte ich mich vor Reisen impfen lassen?

Gerade im Sommer besteht durch Urlaubsreisen auch erhöhte Nachfrage nach den Schutzimpfungen für Auslandsreisen. Die Empfehlungen für Reiseimpfungen sind abhängig von Geographie und Art der Reise - generell sollten sich CED-Patienten daher vor einem Auslandsaufenthalt von ihrem Arzt beraten lassen. Auch in den Beratungsstellen der Tropeninstitute findet man hilfreiche Empfehlungen zu Impfungen, aber auch die nötigen Medikamenten zur Prophylaxe wie beispielsweise gegen Malaria. Auch bei Reiseimpfungen muss bei gleichzeitiger Immunsuppression zwischen Tot- und Lebendimpfstoffen unterschieden werden. So ist beispielsweise die Gelbfieberimpfung ein Lebendimpfstoff und daher nicht für CED-Patienten unter einer immunsuppressiven Therapie empfohlen. Patienten mit Reisewunsch in Gelbfieber-Risikogebiete müssen sich in einer Impfberatungsstelle (z.B. beim Tropeninstitut) beraten lassen, damit man je nach Zielgebiet das Risiko besser einschätzen kann. Trotzdem gilt: Keine Lebendimpfstoffe bei Immunsuppression.

Professor Dr. med. Julia Seiderer-Nack

Julia Seiderer-Nack

ist Fachärztin für Innere Medizin und Ernährungsmedizin in München. Sie hat zahlreiche wissenschaftlichen Studien und Bücher zum Thema chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Darmgesundheit veröffentlicht und organisiert regelmäßig Fortbildungen zu diesem Thema. Durch ihre Zusatzausbildungen auf dem Gebiet der Homöopathie, Traditionellen Chinesischen Medizin und Naturheilkunde hat sie in der Behandlung von CED-Patienten auch ganzheitliche Therapieformen im Blick.

Zuletzt aktualisiert: 10.08.2018