Perianale Fisteln bei Morbus Crohn

Was sind Fisteln?

Menschen mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn entwickeln überdurchschnittlich häufig perianale Fisteln. Da die Fisteln oft belastende Symptome mit sich bringen, kann die Lebensqualität durch diese Krankheitskomplikation stark eingeschränkt sein.

Perianale Fisteln sind Verbindungsgänge zwischen Enddarm oder Analkanal und der perianalen Haut. Die Fistelgänge können auch an einem anderen Organ wie der Harnblase oder der Vagina enden; man spricht dann von rektovesikalen, rektovaginalen oder anovaginalen Fisteln.

Die typischen Symptome bei betroffenen Patienten mit perianalen Fisteln sind:

• Unkontrollierter Austritt von Wundsekret, Eiter und/oder Stuhl über den Fistelgang

• Juckreiz

• Perianales Nässen

• Gelegentlich Bluten

• Einschränkung der Kontinenz

• Abszesse

• Schmerzen

Entstehung perianaler Fisteln bei Morbus Crohn

Bei der Krankheitsursache des Morbus Crohn ist in den letzten Jahren neben einer überschießenden, fehlgeleiteten Immunantwort auf Bakterien oder Stuhlbestandteilen auch immer mehr die sog. Barrierestörung der Darmschleimhaut in den Fokus gerückt. Die Barriere des Darms, die uns vor krankhaften Einflüssen der Umwelt und vor Krankheitserregern schützt, besteht aus Zellen,

einer Schleimschicht und löslichen Bestandteilen. Störungen dieser Darmbarriere und der Wundheilung der entzündeten Schleimhaut können bei der Entstehung perianaler Fisteln beim Morbus Crohn eine Rolle spielen. Da beim Morbus Crohn alle Wandschichten des Darms betroffen sind, kommt es dadurch leichter zu Perforationen. Die genauen Ursachen von perianalen Fisteln sind jedoch noch nicht geklärt.

Einfache und komplexe Fisteln

Perianale Fisteln lassen sich in einfache oder komplexe Fisteln einteilen. Sie unterscheiden sich hinsichtlich des Verlaufs des Fistelgangs durch den Schließmuskel, der Anzahl von Fistelöffnungen

und dem Vorhandensein von Abszessen. Die Mehrheit der perianalen Fisteln bei Morbus Crohn gelten als komplex. Sie sind oft schwer zu behandeln und sprechen nur schlecht auf medikamentöse Therapien an. Komplexe perianale Fisteln können mehrere Öffnungen haben. Zudem ist das Schließmuskelgewebe stärker durch den Verlauf der Fistel betroffen als bei einfachen Fisteln (siehe Abbildung). Aus diesem Grund ist das Risiko einer Beeinträchtigung des Schließmuskels durch z.B. eine Fistelspaltung bei komplexen perianalen Fisteln größer als bei einfachen Fisteln.

Perianale Fisteln

Therapie von perianalen Fisteln bei Morbus Crohn

Es gibt, ganz allgemein gesprochen, medikamentöse (Antibiotika bei Abszessen, Immunsuppressiva, Biologika – die auch die Grunderkrankung Morbus Crohn behandeln) und chirurgische Therapieoptionen (Fistulotomie, Fistulektomie, LIFT, VAAFT-Technik, etc.). Seit 2018 ist auch eine kombinierte Behandlungsmethode (Einsatz von allogenen, mesenchymalen Stammzellen mit einem chirurgischen Verschluss der inneren Fistelöffnungen) anwendbar.

Verlust von Lebensqualität

Die Folgen perianaler Fisteln bei Morbus Crohn wirken sich häufig negativ auf das Berufs- und Privatleben aus. Die Erkrankung kann die Betroffenen in ihrem Alltag belasten und so zu häufigeren Ausfällen bei der Arbeit führen. Auch das soziale Umfeld leidet oft unter den Folgen. Insbesondere in der Partnerschaft erfordert der Umgang mit der Erkrankung viel Verständnis und Geduld.

Sprich darüber!

Über Symptome perianaler Fisteln zu sprechen ist unangenehm, aber es lohnt sich in den Gesprächen mit Fachärzten offen dieses Thema anzusprechen, um gemeinsam die Behandlungsschritte nach den Therapiezielen auszurichten. Zur Vorbereitung für ein solches Gespräch haben wir einen Fragebogen vorbereitet, der dir zur Orientierung dienen kann.

Hier geht’s zum Fragebogen

Zuletzt aktualisiert: 07.11.2019