CED und Urlaub - Tipps und Informationen rund ums Verreisen

Auch mit Colitis Ulcerosa den Urlaub genießen

Schon Wilhelm Busch wusste: „Drum o Mensch sei weise, pack die Koffer und verreise“. Klingt ziemlich einfach – und das ist es mit einer guten Vorbereitung auch! (Hashtag #trotzCED) Was bei der Urlaubsplanung mit chronischen Darmerkrankungen (CED) berücksichtigt werden sollte, sowie hilfreiche Links und Checklisten zum Thema Reisen findest du hier:

Impfungen mit CED - Wie wichtig sind sie?

Prof. Seiderer-Nack: Für Patienten mit CED ist das Thema Impfungen sehr wichtig - nicht zuletzt deswegen, weil eine entzündliche Darmerkrankung und deren Therapie mit Cortison, Immunsuppressiva oder Biologika das Risiko für Infektionskrankheiten deutlich erhöhen kann. Eine ganze Reihe von infektiösen Erkrankungen lassen sich jedoch durch eine rechtzeitige Impfung verhindern. Daher wird allen Patienten aller Altersklassen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa die regelmäßige Überprüfung des Impfstatus - also der Blick in den Impfpass und das Gespräch mit dem behandelnden Arzt - dringend empfohlen. Dabei kann abgeklärt werden, ob der CED-Patient über die empfohlenen Standardimpfungen verfügt oder ob wieder eine Auffrischung nötig ist.

Was hat es mit Lebend- und Totimpstoffen auf sich?

Besonders wichtig ist das Thema Impfen für CED-Patienten vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie. Während einer immunsuppressiven Therapie dürfen nur in Ausnahmefällen Lebendimpfstoffe verabreicht werden, da ein erhöhtes Impfrisiko besteht. Ganz allgemein werden bei Impfungen sog. Totimpfstoffe, die nicht mehr vermehrungsfähige Bakterien oder Viren enthalten von sog. Lebendimpfstoffen unterschieden. Lebendimpfstoffe enthalten geringe Mengen von vermehrungsfähigen Bakterien oder Viren, die jedoch so abgeschwächt wurden, dass sie die Erkrankung nicht mehr auslösen können. Beispiele für einen Totimpfstoff ist z.B. die Schutzimpfung gegen Tetanus oder Hepatitis B; zu den Lebendimpfstoffen gehören beispielsweise die Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln.

Impfungen mit Totimpfstoffen sind meist auch während einer immunsuppressiven Therapie möglich, allerdings können Medikamente wie Steroide, Immunsuppressiva oder TNF-alpha-Antikörper die Bildung von schützenden Antikörpern durch das menschliche Immunsystem - und damit den gewünschten Schutzeffekt der Impfung - beeinträchtigen.

Impfungen mit Lebendimpfstoffen dagegen sollten nur in Ausnahmefällen während einer immunsuppressiven Therapie (sowie 2 Monate vor Beginn bzw. bis zu 3 Monaten danach) durchgeführt werden. Wenn man die Möglichkeit hat, 2 Monate mit der Immunsuppression zu warten, kann noch eine Impfung durchgeführt werden. Daher sollte das Thema Impfschutz gleich zu Beginn einer CED Diagnose besprochen werden, damit rechtzeitig nötige Auffrischimpfungen durchgeführt werden können.

In vielen Fällen in der Praxis hat man aber diese Zeitspanne nicht - und dann gilt Verzicht auf Lebendimpfstoffe. Bei Patienten mit einem durch Medikamente unterdrückten Immunsystem besteht dabei ansonsten die Gefahr, dass diese geringen Mengen an Keimen sich im Organismus vermehren und eine Infektion auslösen können. Wichtig ist daher, vor einer geplanten Immunsuppression den Impfschutz falls möglich noch zu aktualisieren und benötigte Impfungen durchführen zu lassen.

Sollte ich mich vor Reisen impfen lassen?

Gerade im Sommer besteht durch Urlaubsreisen auch erhöhte Nachfrage nach den Schutzimpfungen für Auslandsreisen. Die Empfehlungen für Reiseimpfungen sind abhängig von Geographie und Art der Reise - generell sollten sich CED-Patienten daher vor einem Auslandsaufenthalt von ihrem Arzt beraten lassen. Auch in den Beratungsstellen der Tropeninstitute findet man hilfreiche Empfehlungen zu Impfungen, aber auch die nötigen Medikamenten zur Prophylaxe wie beispielsweise gegen Malaria. Auch bei Reiseimpfungen muss bei gleichzeitiger Immunsuppression zwischen Tot- und Lebendimpfstoffen unterschieden werden. So ist beispielsweise die Gelbfieberimpfung ein Lebendimpfstoff und daher nicht für CED-Patienten unter einer immunsuppressiven Therapie empfohlen. Patienten mit Reisewunsch in Gelbfieber-Risikogebiete müssen sich in einer Impfberatungsstelle (z.B. beim Tropeninstitut) beraten lassen, damit man je nach Zielgebiet das Risiko besser einschätzen kann. Trotzdem gilt: Keine Lebendimpfstoffe bei Immunsuppression.

Professor Dr. med. Julia Seiderer-Nack

Julia Seiderer-Nack

ist Fachärztin für Innere Medizin und Ernährungsmedizin in München. Sie hat zahlreiche wissenschaftlichen Studien und Bücher zum Thema chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Darmgesundheit veröffentlicht und organisiert regelmäßig Fortbildungen zu diesem Thema. Durch ihre Zusatzausbildungen auf dem Gebiet der Homöopathie, Traditionellen Chinesischen Medizin und Naturheilkunde hat sie in der Behandlung von CED-Patienten auch ganzheitliche Therapieformen im Blick.

Antibiotika gegen Reisedurchfall - Vorsicht geboten!

Wenn der Frühling naht, kommt auch die Reiselust. Höchste Zeit, sich auf den Trip in die Sonne, die Berge oder vielleicht sogar in ein exotisches Land gut vorzubereiten. Menschen mit CED (chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen) sollten Reisen in fremde Kulturen besonders planen. Denn gerade bei Fernreisen entsprechen die hygienischen Bedingungen meist nicht dem hiesigen Standard. Neben nötigen Impfungen sollten sie daher vor allem beim Essen vorsichtig sein. Magen-Darm-Infektionen durch Viren oder Bakterien in verunreinigten Lebensmitteln sind häufig. Durchfall, Erbrechen und vielleicht sogar ein neuer Schub können die lästige Folge sein. Sprich mit deinem Arzt oder Apotheker, wie Du dich für einen Reisedurchfall unterwegs am besten wappnen kannst– und welche Medikamente Du möglicherweise in deine Reisapotheke packst. Vorsicht geboten ist dabei vor allem bei bestimmten Antibiotika. Sie werden gern gegen Reisedurchfall eingenommen, Ärzte raten jedoch einerseits wegen der mangelnden Wirksamkeit immer wieder davon ab. Andererseits zeigt nun eine aktuelle Studie in dem Fachjournal Travel Medicine and Infectious Disease: Auch die vielen Fernreisen sind ein Grund, warum sich immer mehr resistente Bakterien ausbreiten. Vorsicht also gerade auf Reisen vor dem unsachgemäßen Gebrauch von Antibiotika. Wer weitere Fragen zum Thema Reisen hat, kann sich unter folgendem Link  das Webinar „Reisen“ anschauen.

CED und Sonnenbaden & Schwimmen - Was darf ich?

Prof. Seiderer Nack: Kaum lassen die Sonnenstrahlen bei sommerlichen Temperaturen nun wieder Lust auf Aktivitäten im Freien aufkommen, stellen sich für manche CED-Patienten spezielle Fragen rund um die Themen Urlaub und Freizeitaktivitäten im Sommer.

Muss ich wegen meines künstlichen Darmausganges auf Schwimmen verzichten?

Nein – auch Patienten mit künstlichem Darmausgang (Stoma) können Schwimmen und Baden. Mittlerweile werden von allen Herstellerfirmen spezielle Stomakappen, Beutelversorgungen und Basisplatten angeboten, die Chlor- und Salzwasser-beständig sind und das Stoma sicher abdichten. Optisch gesehen sind Frauen durch das Tragen von Badeanzügen, die das Stoma komplett verdecken im Vorteil. Aber auch für Männer lassen sich durch höher geschnittene Badeshorts oder Triathlon-Badeanzüge sehr gute optische Lösungen erreichen. Insgesamt ist Schwimmen für Stomaträger eine sehr geeignete Sportart, da der gesamte Körper gleichmäßig beansprucht und der Bauch nicht übermäßig belastet wird.

Kann ich mit der Diagnose Fisteln überhaupt noch ins Schwimmbad oder ins Meer?

Viele Patienten mit Morbus Crohn leiden unter Fisteln rund um den Darmausgang, die in der Fachsprache auch perianale Fisteln genannt werden. Fistel ist dabei nicht gleich Fistel – manche machen nur gelegentlich in Form von Flüssigkeitsabsonderungen Probleme, andere wiederum führen wiederholt zu Eiteransammlungen (Abszessen), Schmerzen und Entzündungen. Dementsprechend werden Fisteln auch unterschiedlich mit Medikamenten, Fadeneinlagen oder operativen Maßnahmen therapiert. Bei Patienten mit unkomplizierten Fisteln spricht nichts gegen Baden im Meer oder Schwimmbad – bei salzhaltigem oder gechlortem Wasser ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion sehr gering. Wichtig ist, den Bereich der Fistel nach dem Baden gut zu trocknen und darauf zu achten, dass kein Sand oder Schmutz in den Fistelbereich gelangt. Patienten mit einer Fadendrainage oder komplizierten Fisteln sollten nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem behandelnden Arzt Schwimmen gehen – insbesondere dann nicht, wenn Abszesse vorhanden sind oder in den letzten 4 Wochen eine chirurgische Therapie der Fistel erfolgt ist.

Was muss ich beim Sonnenbaden beachten?

Nach den langen trüben Wintermonaten empfinden wir die Sonnenstrahlen und Ihre Wärme nun als sehr wohltuend und stimmungshebend. Doch Vorsicht: Manche Medikamentengruppen können zu einer höheren Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlen führen. CED-Patienten unter einer solchen Therapie sollten direkte intensive Sonneneinstrahlung meiden und für Aktivitäten in der freien Natur Sonnenschutzmittel mit einem Lichtschutzfaktor von 50 auftragen. Zudem wird für alle Patienten unter Immunsuppression und Biologika neben konsequentem Sonnenschutz eine regelmäßige Kontrolle beim Hautarzt empfohlen.

Professor Dr. med. Julia Seiderer-Nack

Julia Seiderer-Nack

ist Fachärztin für Innere Medizin und Ernährungsmedizin in München. Sie hat zahlreiche wissenschaftlichen Studien und Bücher zum Thema chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Darmgesundheit veröffentlicht und organisiert regelmäßig Fortbildungen zu diesem Thema. Durch ihre Zusatzausbildungen auf dem Gebiet der Homöopathie, Traditionellen Chinesischen Medizin und Naturheilkunde hat sie in der Behandlung von CED-Patienten auch ganzheitliche Therapieformen im Blick.

CED und heiße Temperaturen - Was muss ich beachten?

Sonne, heiße Temperaturen, Eis und Badespaß: Die schönste Jahreszeit hat endlich begonnen und dieses Jahr wird es so richtig warm. Für CED-Patienten ist das keine so erfreuliche Nachricht. Denn Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und infektiöse Erkrankungen können sich bei extremen Temperaturen verschlechtern.

Das hat eine retrospektive Studie der Universität Zürich, publiziert in der Fachzeitschrift American Journal of Gastroenterology, gezeigt. Die Wissenschaftler belegten, dass Betroffene mit infektiösen und chronischen Darmerkrankungen während heißer Temperaturen deutlich häufiger ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten. Vermutlich vermehren sich bei sehr warmen Temperaturen auch pathogene Darmerreger schneller.

Menschen mit Morbus Crohn und Colitis ulcrosa zeigten vermehrt Schübe, wahrscheinlich ausgelöst durch den körperlichen Stress durch große Hitze. Wer sich urlaubsbedingt in heiße Regionen begibt, sollte zudem darauf achten, dass jederzeit die notwendigen hygienischen Bedingungen erfüllt sind. Denn Menschen mit CED sind besonders anfällig für Darminfekte, in fernen Ländern zum Beispiel häufig durch Keime in Lebensmitteln ausgelöst. Bei heißen Temperaturen vermehren sich diese Keime noch schneller, daher sollten Betroffene ein paar Hygieneregeln beachten:

  • Obst und Gemüse immer kochen, schälen oder sonst verwerfen.

  • Lauwarme, rohe oder wenig frische Gerichte meiden.

  • Auch wenn die Verlockung groß ist: Drinks bitte immer ohne Eiswürfel bestellen. Sie könnten aus keimbelastetem Wasser gefroren sein.

  • Wasser zum Zähneputzen oder Abspülen der Lebensmittel immer nur aus verschlossenen Flaschen benutzen.

Medikamente im Gepäck - Der richtige Transport

Sommerzeit – Reisezeit. Die Koffer stehen gepackt auf dem Flur. Die wichtigsten Dinge sind längst sortiert: Neben einer allgemeine Reiseapotheke solltest Du als CED-Patient deine speziellen Medikamente jederzeit griffbereit, gut geschützt und in der ausreichenden Menge bei dir führen.

  • Denk an eventuelle Reiseverzögerungen oder Umplanungen im Urlaub und nimm daher eine Medikamentenreserve mit.
  • Planst Du eine Flugreise, solltest Du deine Medikamente im Handgepäck verstauen. So kannst Du dir sicher sein, dass sie nicht abhanden kommen. Zudem schützt man die Medikamente vor den niedrigen Temperaturen im Frachtraum. Hier kann die Wirkung durch eine zu geringe Temperatur unter Null Grad Celsius beeinträchtigt werden. Erkundige dich bei deinem Arzt oder Apotheker, wie Du deine Medikamente am besten transportierst.
  • Tabletten können meist trocken gelagert werden, selbst hohe Temperaturen tun ihrer Wirkung meist keinen Abbruch.
  • Sogenannte Biologika hingegen brauchen besondere Reisebedingungen: Sie sollten jederzeit lichtgeschützt transportiert werden. Außerdem ist eine bestehende Kühlkette unbedingt aufrechtzuerhalten. Diese Arzneien müssen bzw.sollten jederzeit zwischen zwei Grad Celsius bis acht Grad Celsius gekühlt werden. Eine kühle Lagerung ist sowohl im Flugzeug, Bus oder im Auto beispielsweise durch eine kleine Kühltasche möglich. Erkundige dich bei Bedarf bei deinem Apotheker.
  • Im Hotel solltest du dich erkundigen, ob der Kühlschrank oder die Minibar in deinem Zimmer an den Hauptschalter gekoppelt sind – und entsprechend ausgehen, wenn Du den Raum verlässt.

Bitte besprich alle die Details der kurz- und langfristigen Aufbewahrung deiner Medikamente vor deiner Abreise mit deinem Arzt oder Apotheker. Erkundige dich vorab schriftlich bei deiner Fluggesellschaft, ob Du z.B. kühlpflichtige Spritzen im Handgepäck mitnehmen darfst.