CED und mein Job passen nicht zusammen – welche Möglichkeiten gibt es?

Arbeiten in der freien Natur oder beruflich viel unterwegs und jeden Tag neue, spannende Situationen und interessante Begegnungen? Für viele klingen diese Beschreibungen nach Traumjobs. Doch durch das Fehlen einer Toilette oder die physische bzw. psychische Belastung können solche Berufe für manch einen CED-Betroffenen zu einem echten Problem werden. Aber was soll man tun, wenn man einen CED-unfreundlichen Job ausübt und es aufgrund der Erkrankung nicht mehr weitergeht? Habt ihr schon mal über eine Umschulung nachgedacht oder über das Beantragen einer Erwerbsminderungsrente? Wir stellen euch kurz und knapp beide Möglichkeiten vor.

Eine Umschulung kann einen beruflichen Neustart bedeuten

Wenn dir die Erkrankung zu sehr zu schaffen macht oder deine Arbeitsstelle wegen zu vieler Fehltage in Gefahr ist, kann eine Umschulung eine sinnvolle Lösung sein. So kann beispielsweise ein Wechsel vom Außen- in den Innendienst eine für dich bessere Arbeitsumgebung schaffen. Auch flexible Arbeitszeiten oder eine frei einteilbare Zeit für Arztbesuche kann dadurch ermöglicht werden. Grundsätzlich gilt: achte bei deiner neuen Berufswahl auf deine Bedürfnisse und wähle etwas, das deinen Interessen und Fähigkeiten entspricht.

Sofern interne Schulungen im Unternehmen angeboten werden, führt dich dein erster Weg zu deinem Vorgesetzten. Im Gespräch mit ihm kannst du deinen Wunsch nach einem internen Stellenwechsel formulieren und die möglichen Alternativen ausloten, die deinen Ansprüchen entsprechen. Falls interne Möglichkeiten nicht vorhanden sind oder du dich im Moment nicht in einem Arbeitsverhältnis befindest, ist der Arbeitsmarktservice die richtige Adresse. Dieser kann sowohl bei der beruflichen Rehabilitation unterstützen als auch finanzielle Zuschüsse zu Umschulungen bieten. Sollte dies nicht möglich sein, ist die österreichische Pensionsversicherungsanstalt die nächste Anlaufstation. Der dort zu stellende Antrag auf „Teilhabe am Arbeitsleben“ fördert Umschulungen. Voraussetzung hierfür ist, dass der Betroffene bereits mindestens 15 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt hat oder eine Erwerbsminderungsrente bezieht.

Erwerbsminderungsrente: Wenn CED die Arbeit unmöglich macht

Die Rente steht nicht nur für die Altersvorsorge nach dem Arbeitsleben. Sie kann auch bezogen werden, wenn aufgrund einer Erkrankung gar nicht mehr oder nur noch stundenweise gearbeitet werden kann. Natürlich zahlt die Rentenversicherung nur unter bestimmten Voraussetzungen.

  • Dazu zählt beispielsweise, dass du noch nicht die sogenannte Regelaltersgrenze erreicht haben darfst. Für alle 1964 und später Geborenen liegt diese bei 67 Jahren.
  • Zudem gilt der Grundsatz „Reha vor Rente“. Das bedeutet: Bevor eine Rente bewilligt wird, muss mittels medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen alles getan werden, um eine Erwerbsfähigkeit wiederherzustellen.
  • Ist dies nicht möglich, hängt die Rente von den Arbeitsstunden ab, die du trotz deiner chronischen Erkrankung pro Tag noch leisten kannst. Kannst du nur bis zu 3 Stunden am Tag arbeiten, kommt eine volle Rente in Frage, bei bis zu 6 Stunden eine halbe Rente.
  • Auch bestimmte versicherungsrechtliche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um die Rente wegen Erwerbsminderung zu erhalten. Du solltest beispielsweise mindestens fünf Jahre versichert gewesen sein (sogenannte allgemeine Wartezeit) und vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge bei einer versicherten Beschäftigung oder Tätigkeit gezahlt haben.

Zusätzlich gibt es noch zahlreiche Sonderregelungen, die den Rahmen dieser Newsmeldung sprengen würden. Die österreichische Pensionsversicherungsanstalt steht dir hierfür aber mit Rat und Tat zur Seite.

Wie bringe ich CED und meinen Beruf unter einen Hut?

Diese Frage stellen sich CED-Betroffene häufig. Es ist ist nicht leicht, diese Herausforderung mit generellen Ratschlägen zu lösen, da die Facetten einer CED vielfältig sind und sich die Krankheit bei jedem unterschiedlich manifestiert. Dennoch gibt es sowohl bei der Berufswahl als auch im Arbeitsalltag einige Tipps, die dir als CED-Betroffener helfen können, mögliche Schwierigkeiten im Berufsleben zu meistern.

Arbeiten mit CED: Ein Beruf ist das Rückgrat des Lebens (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Jeden Tag arbeiten zu gehen ist für die meisten Menschen selbstverständlich und ein unverzichtbarer Teil ihres Lebensinhalts. Auch der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche sah das so und verglich die Arbeit mit dem Rückgrat, also dem Grundgerüst des Lebens. Doch was tun, wenn einem dabei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn im Wege stehen? Was, wenn ständige Müdigkeit und plötzliche Toilettengänge die Karriere gefährden?

CED-Betroffene stehen vor einer besonderen Herausforderung, wenn es um die Berufswahl oder um das Meistern des Arbeitsalltags geht. Die folgenden Ratschläge sollen dabei helfen, Klarheit über CED & Beruf zu schaffen.

Die Berufswahl läutet ein wegweisendes Kapitel im Leben eines jeden jungen Menschen ein. Deshalb sollte zunächst diese Entscheidung nicht von der Erkrankung abhängig gemacht werden. Der Begriff Beruf kommt schließlich von Berufung. Und das gilt auch für dich!

Die Arbeit sollte also deinen Fähigkeiten und Ansprüchen gerecht werden. Denn wer glücklich und zufrieden seine Brötchen verdienen geht, der bekommt mehr als nur das monatliche Gehalt. Der Beruf gibt dir Selbstvertrauen und hilft, die Hürden des CED-Alltags zu überwinden. Er verleiht dem Tag Struktur und lenkt von den möglichen Beschwerden ab. Daher lass dich nicht von der Erkrankung einschüchtern, sondern gehe #TrotzCED deinen beruflichen Weg!
 

Auf Arbeitssuche #TrotzCED – Was darf ich sagen, was muss ich sagen?

Hast du eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch bekommen, brauchst du dir zunächst keine Gedanken über fiese Fragen zu deiner Erkrankung machen, sondern dich einfach nur darüber freuen, dass du zu der engeren Auswahl der Jobanwärter gehörst. Denn die Frage nach chronischen Krankheiten ist rein rechtlich – von bestimmten Ausnahmen abgesehen – in Vorstellungsgesprächen grundsätzlich nicht zulässig. Die Entscheidung liegt ganz allein bei dir, ob du deinem zukünftigen Arbeitgeber von Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn berichtest oder nicht.

Argumente dafür: Der offene Umgang mit der Erkrankung spricht nicht nur für deine Ehrlichkeit, sondern auch für den Beginn einer gesunden Arbeitsbeziehung. Außerdem brauchst du dir für spätere Krankheitsausfälle keine Ausreden einfallen zu lassen.

Argument dagegen: Deine ehrliche Art kann negativen Einfluss auf den Bewerbungsprozess haben - abhängig von dem Verständnis deines Arbeitgebers.
 

Geeignete Berufe #TrotzCED

Es gibt einige Dinge, die das Arbeitsleben für dich vereinfachen können und die du bei der Berufswahl berücksichtigen oder im Bewerbungsgespräch ansprechen kannst.

• Home-Office: Das Arbeiten von zuhause aus bringt viele Vorteile mit sich. So muss man sich vor den Kollegen wegen des häufigen Toilettengangs nicht rechtfertigen. Zudem gibt es keine festen Arbeitszeiten, was den Umgang mit einem akuten Schub erleichtert.

• Flexible Arbeitszeiten: Falls Home-Office mit deiner Arbeit nicht zu vereinbaren ist oder dein Vorgesetzter etwas dagegen hat, können flexible Arbeitszeiten eine Option für dich und deinen Arbeitgeber sein. Dadurch sind beispielsweise kurzfristige Arztbesuche möglich. Auch eine zeitliche Verzögerung, die ein Schub nach sich gezogen hat, sind so kein Problem mehr.

• Im Büro: Wenn sowohl flexible Arbeitszeiten als auch Home-Office für dich oder deinen Chef nicht in Frage kommen, dann solltest du darauf achten, dass …
… eine Toilette in der Nähe deines Arbeitsplatzes ist.
… Schichtarbeit oder lange Dienstzeiten nicht die Regel sind.
… Stress die Ausnahme ist.
… wenig Reisetätigkeiten vonnöten sind. 

Es wäre falsch zu sagen, dass nur bestimmte Berufe bei einer CED in Frage kommen. Dennoch sind einige Berufsfelder aufgrund der oben beschriebenen Möglichkeiten besser geeignet als andere. Kreative Berufe, wie z. B. Online-Redakteur, Grafiker, Web-Designer, oder IT-Berufe, wie z. B. Programmierer, sind ohne Einschränkungen von zuhause aus durchführbar. Selten kommt es zu Reisetätigkeiten oder Schichtdiensten. Das Gleiche gilt für Jobs in der Verwaltungsbranche oder im kaufmännischen Bereich. Auch die Selbständigkeit kann eine Möglichkeit sein, dich selbst zu verwirklichen und dabei viele Vorzüge zu genießen: Ein selbstbestimmtes Leben und an den Gesundheitszustand angepasste Arbeitszeiten. Dennoch muss immer an ein ausreichendes Finanzpolster gedacht werden, um akute Entzündungsphasen überbrücken zu können. Außerdem ist die unterbewusste Belastung auf den Darmtrakt nicht zu unterschätzen, wenn Existenzängste als Begleiterscheinung auftreten. Daher: Vor- und Nachteile einer möglichen Selbständigkeit abwägen, bevor du dich für diesen großen Schritt entscheidest.
 

Plötzlich CED – im bisherigen Beruf/Team bleiben oder Umschulung?

Die Diagnose Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn ist für jeden Betroffenen zunächst ein Schock. Nicht nur dein Privatleben, sondern auch dein Berufsleben werden höchstwahrscheinlich von den Auswirkungen betroffen sein. Doch kein Grund zur Panik. Abhängig von der Art der Arbeit, kannst du dir zunächst einmal überlegen, ob eine Umschulung sinnvoll ist oder gar keine berufliche Veränderung in Erwägung gezogen werden muss.

Welche Berufe sprechen für eine Umschulung? Falls du in deinem bisherigen Beruf viel unterwegs und selten an einem Arbeitsplatz bist, solltest du nach beruflichen Alternativen Ausschau halten. Auch häufige Auslandsaufenthalte oder das Arbeiten im Freien (z. B. im Baugewerbe) sprechen für eine berufliche Umorientierung. Denn Toiletten sollten von nun an immer in erreichbarer Nähe sein.

Wenn du dich im Außendienst befindest, genügt vielleicht schon ein Gespräch mit deinem Arbeitgeber, ob eine Versetzung in den Innendienst möglich ist. Auch interne Weiterbildungen sind eine Möglichkeit, um im gleichen Unternehmen eine „CED-freundliche“ Stelle zu besetzen.
 

Hier findest du Anlaufstellen für Umschulungsinformationen:

Arbeitsmarktservice

Pensionsversicherungsanstalt

Berufsförderungsinstitut

Stiftung Darmerkrankung: Ausbildungsförderung für junge Menschen mit CED, auch für österreichische Kandidaten 

 

CED im Beruf – Ansprechen und wenn ja, wie?

Es hängt vom Verhältnis zwischen dir und den Kollegen ab, ob du von deiner Erkrankung erzählst oder nicht. Wenn eine loyale oder sogar familiäre Beziehung besteht, empfiehlt sich ein offener Umgang mit der CED, um Vorurteile aus dem Weg zu räumen oder die häufigen Toilettengänge zu erklären. Du wirst merken, dass es dir viel leichter fallen wird, die Gegebenheiten hinzunehmen, die eine CED mit sich bringt, wenn deine Kollegen und dein Vorgesetzter davon wissen. Dennoch ist es eine individuelle Entscheidung, die jeder für sich treffen sollte.

Wenn du dich dafür entscheidest, offen damit umzugehen, könnte dir auch ein Schwerbehindertenausweis das Berufsleben erleichtern.

Info zum Schwerbehindertenausweis: Wenn der Grad der Behinderung (GdB) mindestens 50 % beträgt, liegt laut Gesetz eine Schwerbehinderung vor. Dadurch besteht beispielsweise Anspruch auf Zusatzurlaub, auf Reduzierung der Wochenstunden und auf Zusatzleistungen wie z. B. Steuerfreibeträge oder Freifahrten im öffentlichen Personennahverkehr. Der Schwerbehindertenausweis ist für CED-Betroffene eine sinnvolle Hilfeleistung und dient dazu, die durch eine CED verursachten Einschränkungen auszugleichen.


Fazit

CED & Beruf schließen sich nicht aus. Finde ein an dich angepasstes Berufsmodell, welches deinen Fähigkeiten entspricht und genügend Freiraum bietet, um bei aktiven Entzündungsphasen auch mal einen Gang zurück schalten zu können. So kannst du dich zum einen um deine Karriere kümmern und zum anderen auf mögliche Unvorhersehbarkeiten vorbereitet sein.

In unserem Handbuch CED ALLTÄGLICH findest du viele weitere Ratschläge und Anregungen für den Umgang mit der CED im Alltag, darunter neben Themen wie Partnerschaft, Ernährung und Sport auch Tipps für den Umgang mit der CED im Berufsleben.

Homeoffice erhöht Arbeitsfähigkeit von CED-Patienten

Chronisch krank sein und trotzdem die eigene berufliche Karriere vorantreiben? Ein aktuell veröffentlichtes Pilotprojekt zeigt, dass das kein Widerspruch sein muss. Das Abstract der belgischen Studie wurde im Februar auf dem ECCO Kongress in Barcelona präsentiert. Ziel der Studie „Activ84worK“ war es, durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Erkrankung das Wohlbefinden von Angestellten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa und das Klima in deren Arbeitsumfeld zu verbessern.

Chronisch-entzündliche Erkrankungen betreffen typischerweise Menschen zwischen 15 und 40 Jahren – und damit oft die Hochphase ihres beruflichen Wirkens. Typische Beschwerden wie Durchfall, Bauchkrämpfe, Schmerzen und Schwäche machen es den Betroffenen aber schwer, Vollzeit im Büro anwesend zu sein. Die Untersuchung zeigte, dass es sowohl für Angestellte als auch Arbeitgeber eine gute Alternative darstellt und Vorteile für alle Seiten bringt, wenn die Probanden in ihrer Arbeitseinteilung flexibel sind und auch von zuhause aus arbeiten dürfen. Interessiert an den Befragungen, die im Zeitraum vom April 2015 bis Oktober 2016 durchgeführt wurden, zeigten sich zunächst 71 Patienten. Als geeignet erwiesen sich dann 19 Probanden. Insgesamt wurden 14 Menschen mit CED über die volle Zeit von sechs Monaten in Interviews befragt.

Konkret ergab die Studie, dass diese Betroffenen durch die Möglichkeit des Homeoffice weniger Stress in Bezug auf häufige Toilettengänge oder nötige Arbeitspausen hatten. Insgesamt konnten sie beruhigter ihrer Arbeit nachgehen und waren motivierter. So ergaben sich weniger Krankheitstage, eine bessere Vereinbarkeit und geringere Kosten für die Unternehmen durch die teilweise Abwesenheit der Angestellten. Sowohl die befragten Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmer bewerteten das Pilotprojekt als äußerst positiv. So ergab sich durch die flexiblere Zusammenarbeit eine größere Offenheit untereinander – und eine höhere Lebensqualität für die Betroffenen.

Stress in der Arbeit als Ursache für chronisch entzündliche Darmerkrankungen?

Die meisten Neudiagnosen eines M. Crohn oder C. ulcerosa werden in der Altersgruppe der 20-40jährigen Patienten gestellt – einer Altersgruppe also, die voll im Arbeitsleben steht und durch die moderne Arbeitswelt gefordert wird. Viele Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen empfinden dabei Stress am Arbeitsplatz als einen sehr wichtigen ursächlichen Faktor in ihrer persönlichen Krankengeschichte. Inwieweit sich Stress am Arbeitsplatz objektiv als Auslöser für M. Crohn und C. ulcerosa nachvollziehen lässt, hat nun eine große europäische Analyse anhand von über 95.000 Probandendaten untersucht.

Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Faktor psychosozialer Stress am Arbeitsplatz in Form von hohen beruflichen Anforderungen und wenig eigenem Einfluss auf die Gestaltung von Aufgaben. Von den 9.5379 beobachteten Personen mit unterschiedlichen Stress-Leveln am Arbeitsplatz entwickelten 126 einen M. Crohn und 414 eine C. ulcerosa. Interessanterweise konnte die statistische Auswertung keinen Zusammenhang zwischen hohem Stress-Level am Arbeitsplatz und der Entstehung einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung zeigen.

Die Ergebnisse der Studie bedeuten nicht, dass für einzelne Personen Stress am Arbeitsplatz ein maßgeblicher Faktor sein kann, werfen aber die Frage auf, ob nicht psychosoziale Belastungen in anderen Lebensbereichen und ihr Einfluss auf CED in weiteren Studien untersucht werden sollten (veröffentlicht in der Zeitschrift PLoS One. 2014; 9(2): e88711)