Sport mit Morbus Crohn: Passt das zusammen?

„Trotz CED mache ich Sport. Und du?“ André Vieth hat Morbus Crohn und macht regelmäßig Kraftsport. In diesem Video zeigt er, dass Sport und eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung sich nicht automatisch ausschließen.

Bereits moderate Bewegung kann Betroffenen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa helfen, mit ihrer Erkrankung besser umzugehen. Dabei sollte jeder die Bewegungsart finden, mit der er sich wohl fühlt: Autogenes Training zur Entspannung oder Kraft- bzw. Ausdauersport, um sich auszupowern. Besonders wichtig dabei: Höre auf deinen Körper und achte auf die Zeichen, die er dir gibt. Das bedeutet auch, dem Körper Erholungsphasen zu gönnen und die Sportart zu finden, die für dich geeignet ist.

 


Morbus Crohn und Sport: Worauf muss ich achten?

Die positiven Auswirkungen von Bewegung auf Körper und Geist sind unumstritten,
körperliche Ertüchtigung ist Teil von immer mehr Therapien. Die Empfehlung
„schonen Sie sich“ geben Mediziner heute kaum noch. Unser Körper braucht
Bewegung, Sport kann das Wohlbefinden bei Morbus Crohn deutlich steigern.

Bereits moderate Bewegung wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System sowie
den Muskel-Sehnen- und Bänderapparat aus. Morbus Crohn und Sport schließen
einander nicht aus. Die Bewegung selbst löst keinen aktiven Schub aus, vielmehr
stärkt Sport dein Abwehrsystem. Sport kann Betroffenen mit Morbus Crohn und
Colitis ulcerosa helfen, mit ihrer Erkrankung besser umzugehen. André Vieth
betreibt regelmäßig Kraftsport. Im Video zeigt er, dass Sport und eine chronisch
entzündliche Darmerkrankung einander nicht ausschließen und dass Muskelaufbau
bei Morbus Crohn helfen kann.


Sport mit Morbus Crohn: Finde deine Sportart

Wähle die Bewegungsart aus, mit der du dich am wohlsten fühlst und die dir am
meisten Spaß macht. Zum Entspannen bietet sich beispielsweise autogenes
Training an, zum Auspowern kombinierst du am besten Kraft- und Ausdauersport
miteinander. Beim Kraftsport betreibst du trotz Morbus Crohn Muskelaufbau,
Ausdauersportarten verbessern die Sauerstoffversorgung im Körper und du fühlst
dich besser. Das Mehr an Kraft hilft dir auch im Alltag in vielen Situationen.
Moderate Belastungen reduzieren zudem das bei einer CED erhöhte Risiko, an
Osteoporose zu erkranken. Im Idealfall kann dir die regelmäßige Bewegung dabei
helfen, die Einnahme von Medikamenten zu verringern – nach Rücksprache mit
deinem Arzt.


Höre beim Sport auf deinen Körper!

Wusstest du, dass sich der Blutfluss im Darm selbst bei gesunden Läufern während
des Laufs um bis zu 80 Prozent reduziert? Steigere die Intensität langsam und
gewöhne deinen Körper Schritt für Schritt an die Belastungen. Dein Körper passt
sich in der Erholungsphase an die gesetzten Reize an, Pausen sind für den
Trainingserfolg essenziell. Mit dem richtigen Training profitierst du von positiven
Effekten auf die Regeneration der Darmschleimhaut und beugst Beschwerden im
Magen-Darm-Trakt vor.

Tipp: Lass dir von einem Experten einen Trainings- und Ernährungsplan erstellen –
so kannst du deinen Sport mit Morbus Crohn optimal ausüben und die besten
Resultate erzielen.


Wichtig: Trainiere nach Maß und mit Bauchgefühl

Höre beim Sport mit Morbus Crohn stets auf deinen Körper und achte auf die
Zeichen, die er dir gibt. Es ist zum Beispiel nicht empfehlenswert, während eines
Schubs mehrmals pro Woche joggen zu gehen. Überfordere dich nicht! Nimm
regelmäßig und genügend Flüssigkeit zu dir, gerade in Phasen mit Durchfällen.
Nach einer Operation solltest du deine Bauchmuskeln schonen und besser längere
Spaziergänge unternehmen. Denke auch beim Krafttraining mit Morbus Crohn an
ausreichend lange Pausen. Der Muskelaufbau findet während der Ruhephasen
statt, gönne deinem Körper daher die wichtigen Erholungsphasen. Mehr Muskeln
erhöhen gleichzeitig deinen Grundumsatz und du profitierst von einer verbesserten
Fettverbrennung.

Die besonderen Rahmenbedingungen beim Sport mit Morbus Crohn

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen reagiert der Körper sensibler auf
Umwelteinflüsse wie schlechtes Wetter, Hitze oder Kälte. Beachte: Hochintensive
Belastungen steigern die Atemgeschwindigkeit und somit das Atemvolumen, in der
Folge steigt die Keimmenge im Körper und der Körper wird mehr strapaziert. Bei
den Belastungen spielen drei Bereiche eine entscheidende Rolle:

  • das Nervensystem,
  • der Stoffwechsel und
  • das Abwehrsystem.


Unter Stress schüttet das Nervensystem die Stresshormone Katecholamin und
Kortisol aus, Sport und moderate Belastungen führen bei von Morbus Crohn
Betroffenen jedoch zu optimalen Bedingungen im Stoffwechsel. Ein maßvolles
Trainingsprogramm hat außerdem positive Effekte auf dein Abwehrsystem, unter
anderem auch auf das deiner Darmschleimhaut. Durch die Bewegung steigt die
Anzahl der Abwehrzellen im Blut, in der Folge sinkt die Infektanfälligkeit und
Entzündungen werden gehemmt.


Morbus Crohn und Sport – Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit

Wie leistungsfähig ist der Körper eines Menschen mit CED? Eine wichtige Rolle
spielen die Botenstoffe, sogenannte Mediatoren wie beispielsweise Interleukine. Im
fortschreitenden Alter reguliert der Körper diese Botenstoffe hoch, Folgen sind der
schnellere Abbau von Muskeleiweißen und ein schlechterer Muskelneuaufbau.
Diese Effekte betreffen auch Menschen mit einer chronisch-entzündlichen
Darmerkrankung, zusätzlich verkleinert sich die Oberfläche der
Dünndarmschleimhaut und der Körper nimmt Nährstoffe aus der Nahrung nicht
mehr in ausreichender Menge auf. Müssen Betroffene Steroide einnehmen,
verringert sich die fettfreie Körpermasse und es kommt zum vermehrten
Muskelabbau.

Die gute Nachricht: Gezieltes Training kann die beschriebenen Effekte
kompensieren. Eine Studie konnte die positive Wirkung von Yoga auf Colitis
ulcerosa nachweisen: Die Probanden berichteten von einer signifikant höheren
Lebensqualität nach zwölf Wochen – und die Verbesserungen blieben für
mindestens drei Monate bestehen.1 Es lohnt sich also, Sportarten wie Yoga in dein
Trainingsprogramm aufzunehmen.


Leistungssport trotz CED?

Zahlreiche Sportarten kannst du auch mit einer chronisch-entzündlichen
Darmerkrankung als Leistungssport ausüben. Doch hier gilt ebenfalls: Setze dir
realistische Ziele und besprich dich mit deinem behandelnden Arzt. Du solltest beim
Sport mit Morbus Crohn die folgenden Tipps beachten:

  • Erhöhe im fortschreitenden Trainingsverlauf die Häufigkeit und verkürze die
    Länge der Einheiten.
  • Meide lange und intensive Trainingseinheiten und baue stattdessen kurze
    Belastungsspitzen in dein Sportprogramm ein.
  • Steigere die Trainingsdichte nur langsam um maximal fünf bis zehn Prozent
    pro Woche. Dabei verkürzt du die Pausenlängen und Zeiträume zwischen
    mehreren Trainingseinheiten.
  • Trainiere in Zyklen und baue innerhalb eines Trainings nach jeder intensiveren
    Einheit zwei bis drei moderate Einheiten ein.


Es gilt: Die „kluge Regeneration“ ist der Trick. Gönne deinem Körper nach dem
Sport ausreichend Schlaf, achte auf eine entsprechende Ernährung und fördere die
Erholung mit lockeren Bewegungseinheiten.


Sport als Schmerztherapie bei Morbus Crohn

Leichtes bis moderates Training kann dir dabei helfen, deine Schlafqualität und
Verdauungsfunktion zu verbessern. Im Rahmen einer Analyse von 15 Studien
konnte unabhängig von der Erkrankung gezeigt werden, dass Betroffene, die
mindestens drei Stunden pro Woche Sport treiben, die Schmerzen signifikant
besser ertragen und die Menge an Schmerzmitteln reduzieren können. 2


Fazit: Sport steigert das Wohlbefinden

Weniger Stress, weniger Schmerzen, ein gesteigertes Wohlbefinden und eine
Verbesserung der Körperwahrnehmung: Das alles kann bei von Morbus Crohn
Betroffenen durch Sport und Muskelaufbau angestoßen werden. Weitere
Informationen zum Thema erhältst du im Online-Seminar und von den Profi-
Handballern des THW Kiel.

  1. Tesarz J et al. Pain perception in athletes compared to normally active controls: A systematic review with meta-analysis. Pain. 2012;125(2), 1253-1262.

  2. Deutsches Ärzteblatt 2006; 103(31–32): A 2116–20

  3. https://ep70.eventpilot.us/web/page.php?page=IntHtml&project=DDW16&id=2436945 (letzter Aufruf: August 2017)

Zuletzt aktualisiert: 18.04.2019